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Tomo in Indien (3)

Auszug aus dem 3. Rundbrief von Tomo (deutscher Freiwilliger auf Einsatz in Chennai, Indien):

Heute erzähle ich euch von einem Menschen, der im "Garten" lebt (d.h. in dem kleinen Empfangsdorf von Offenes Herz in Indien, wo besonders verletzte oder einsame Personen empfangen werden). Wir nennen ihn Ramesh Anna, Anna heißt in Indien "großer Bruder". Wie in Japan hängt man an den Namen die Endung an, die dem Alter entsprechend angemessen ist. Ramesh Anna ist jetzt ungefähr seit 1,5 bis 2 Jahren im Garten. Davor war er eine Weile obdachlos. Er hat eine große Familie, doch seine Kindheit war sehr schwer. Sein Vater hat ihm seine Füße verbrannt. Daran leidet er bis heute. Das und vieles was im Dunkeln liegt hat ihn dann im Alter eingeholt, was zu gewaltsamen Ausbrüchen und von Zeit zu Zeit zu Zuständen des Wahnsinns führte. Er hat seinen Neffen bei einem Streit, der ihn so aufbrachte, dass sich sein Handeln nur noch als affektgesteuert beschreiben lässt, ins Krankenhaus gebracht. Das führte zum Bruch mit der Familie.
Gestern waren wir bei der Hochzeit des Sohnes seines Bruders (Neffe). Es war einer dieser Momente, die mich atmen lassen. Es war eine wahre Gnade, dabei gewesen zu sein. Er hat den Großteil seiner Familie wiedergesehen und mit vielen gesprochen und das nach einer langen Zeit. Ein Schlüsselmoment war das Treffen mit seiner Tochter und ihrem jungen Sohn, was ihn zu Tränen rührte. Sie auch. Und nach der Messe in der Kirche nochmal. Er war wie ausgewechselt, voller Freude und wahrer Glückseligkeit…


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