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  • AutorenbildOffenes Herz

„Warum ich hier bin”

Auszug aus dem 3. Newsletter von Samuel, seit September 2022 auf Einsatz mit OH in Villa Jardín (Buenos Aires):


Kommen wir nun zu einem Thema, welches ich zuvor angesprochen habe, aber bei dem ich nicht in die Tiefe gegangen bin. Das „warum“ ich da bin. Was mache ich hier genau. Es war für mich auch nicht leicht das zu beantworten. Ich bin da, um zu lieben, die Menschen um mich herum. Das heißt jetzt nicht auf eine romantische Art, sondern auf die christliche. Mit Liebe meine ich, Opfer zu bringen, für das Wohl eines anderen. Nach sechs Monaten habe ich festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Manche Tage sind echt lang und man möchte einfach nur ins Bett, dann aber noch die Nachbarin herein zu lassen, ihr einen Tee anzubieten und ihr zuzuhören, wie sie über ihren Neffen redet, welcher erneut in die Drogen geraten ist… das fordert Liebe, echte Liebe. Außerdem ist es keine Formel, welche man für alle Menschen anwenden kann. Sie ist von Person zu Person unterschiedlich. Was dem einem gefällt, lässt den anderen den Kopf schütteln. Aber wenn man sich die Zeit und die Mühe nimmt eine Person zu lieben, dann kann dies etwas Wunderbares sein.

Ein Beispiel möchte ich mit euch teilen: Eines Abends ging ich nach der Messe nach Hause. Ich war schon sehr müde, aber hatte gute Laune. Die Aufgaben waren für den Tag erledigt und als nächstes stand das Abendessen an. Einige Meter vor unserem Haus sah ich einen Jungen sitzen. Er heißt auch Samuel und fängt dieses Jahr die Schule an. Irgendetwas hatte ihn verärgert und er sah traurig aus. Ich ging zu ihm und fragte was los sei. „Nichts“ sagte er. „Bist du traurig?“ fragte ich. Er schüttelte den Kopf. „Wieso bist du denn traurig?“ fragte ich. Er antwortete nicht. „Willst du nicht darüber reden?“ fragte ich erneut. Daraufhin vernahm ich ein kleines Nicken. Also gut dachte ich mir, wenn er nicht darüber reden will, dann reden wir halt über etwas anderes. Ich fragte ihn, was er gegessen hatte, ob sein Lieblings-Verein das letzte Spiel gewonnen hat, und er fing recht schnell an zu vergessen, dass er traurig war. Daraufhin lud ich den kleinen Samuel ein, uns beim Kochen zu helfen. Mit großer Motivation wusch er den Spinat und kaufte uns einen Käse.

Als er unser Haus verließ hatte er wieder ein Lächeln im Gesicht. Es sind diese kleinen Gesten der Liebe, welche die Mission prägen. Wir geben den Leuten nichts, was sie angreifen können, aber für mich hat das, was wir geben einen anderen Wert. Oder besser gesagt eine andere Bedeutung, weil man Liebe nicht messen kann...

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