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Antonia in Athen - Leben in Gemeinschaft

Antonia ist seit September im Offenes-Herz Haus in Athen. Hier gibt sie uns einen kurzen Überblick, wie das Leben und die Stadt aussieht.


Athen: Eine Kultur der Gegensätze

Ich habe hier entdecken dürfen, dass Athen eine sehr besondere Stadt ist, denn hier treffen östliche und westliche Kultur aufeinander und ergeben eine Atmosphäre, die ich bisher nirgends erlebt habe. Auf der einen Seite ist die Stadt voll von wunderschönen uralten orthodoxen Kirchen und 99% der Athener sind orthodox. Kein noch so cooler junger Grieche in Jogginghosen geht an einer der Kirchen vorbei, ohne ein Kreuzzeichen zu machen. Ich habe mich auch sehr mit den anderen Teilen der volkstümlichen Kultur angefreundet: der Laiki (Wochenmarkt), die Musik (ich versuche momentan das Busuki-Spielen zu lernen), die Tänze, die unglaublich gute Küche usw. Dass gleichzeitig die westeuropäische Kultur die Stadt beeinflusst, scheint manchmal fast absurd: an fast jeder Strassenecke findet man Spielecasinos, und die Banken, Supermärkte und Fastfoodrestaurants passen oft so gar nicht zu der ursprünglicheren Kultur Griechenlands. Am meisten spürt man jedoch die Auswirkungen der Wirtschaftskrisen und Lockdowns. Viele arbeitslose Männer lungern tagsüber auf den Straßen und in den Cafés herum. Tausende einsame Menschen leben hier in tausenden kleinen Löchern von Wohnungen und haben eigentlich den Geschmack des Lebens verloren. Und unheimlich viele Einwanderer und Flüchtlinge vollenden die Gegensätzlichkeit und Buntheit dieser erstaunlichen Stadt.

Das Gemeinschaftsleben

Wir sechs Mädels (Anais aus Frankreich, Roki aus der Ukraine, Alina aus Rumänien, Johanna aus Österreich, Karolina aus Polen und ich) leben inmitten von Athen zusammen in einer Wohnung im vierten Stock, mit einem Balkon, von dem aus man die Akropolis, das Wahrzeichen von Athen, sehen kann. In Gemeinschaft zu leben, ist sehr schön: wir teilen das Leben, essen, kochen, beten und besuchen unsere Freunde gemeinsam. Natürlich bringt das auch Herausforderungen mit sich, denn schon die Tatsache, dass wir uns die Zimmer teilen, erfordert mehr Rücksicht, als ich zuhause nehmen musste. In vielen Details des Lebens gilt es, für die anderen einen Teil meiner Komfortzone aufzugeben.

Das Gebet

Das Gebet ist ein wichtiger Bestandteil unseres Tages. Wir beginnen den Tag mit dem Morgengebet. Im Laufe des Tages gehen wir zur Messe, beten den Rosenkranz, und jeder von uns betet täglich eine Stunde in der Kapelle unseres Hauses an. Ich habe auch schnell gemerkt, dass es wirklich wichtig für uns ist, soviel zu beten, denn wenn wir nachmittags Leute besuchen gehen, erfahren wir oft schwere Sachen, die wir im Gebet in Gottes Hände legen können. Den Tag schließen wir mit dem Nachtgebet. Zu Beginn des Nachtgebets überdenken wir immer in Stille den Tag und dann kann jeder die anderen um Entschuldigung bitten für etwas, was an dem Tag schiefgelaufen ist, und danken für die Dienste der anderen. Das ist für mich immer einer der wichtigsten Momente des Tages, denn so können wir jeden Abend in Frieden schlafen gehen, der Tag ist abgeschlossen und der nächste Tag ist ein neuer.

Unsere Freunde

Jeden Nachmittag gehen wir Freunde in unserem Viertel besuchen. Unsere Besuche sind ganz unterschiedlich, wir haben kein bestimmtes Vorgehen oder so. Wir planen am Anfang der Woche, welche Freunde wir besuchen wollen, wem es schlecht geht, wen wir schon lang nicht gesehen haben. Zu zweit oder zu dritt gehen wir dann los. Wir schauen meistens einfach, wie es den Freunden geht, trinken zusammen ein Wasser, plaudern übers Leben, lachen zusammen, sind einfach froh. Manchmal, wenn sie etwas Schweres durchmachen, trauern wir mit ihnen und stehen ihnen bei. Fast jeden Tag stellen mir Roki und Anais (weil sie beide schon länger hier Freiwillige sind und alle unsere Freunde kennen) jemand neues vor. Oft schließen wir auch neue Freundschaften.


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