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Pia in Rumänien - Begegnung mit Paola

Pia ist seit September im Offenes-Herz Haus in Rumänien. Hier berichtet sie uns von ihrer Begegnung mit Paola.



Paola ist eine circa 33- jährige Frau, die jeden Tag durch Deva streift und ihre Freunde in den unterschiedlichen Vierteln besucht, sich zu ihnen setzt und ihnen vermutlich ein wenig von ihrem Leben erzählt oder einfach nur zuhört. Sie poltert oft ohne eine Ankündigung in unsere Küche, setzt sich mit einem Seufzen auf die Küchenbank und beginnt zu erzählen. Obwohl ich am Anfang nicht viel von dem verstanden habe, was sie erzählt, habe ich an ihrem Gesichtsausdruck erkennen können, dass sie von ihrem Leid spricht, während sie oft die Worte „Sufletul meu“ („meine Seele“) verwendet und gestikuliert.


Ich habe gemerkt, dass Paola es liebt, uns Freiwilligen etwas zu zeigen oder Dinge beizubringen. Als Gaetan, Marion und ich an einem Vormittag im Garten Rumänisch gelernt haben, hat sich Paola dazugesetzt und ist jedes Mal voller Begeisterung aufgesprungen, während sie laut geklatscht hat, wenn wir auch nur ansatzweise einen rumänischen Satz gesagt haben. Ihre unglaubliche Freude über diesen kleinen Fortschritt, hat mir wirklich die Motivation geben, noch mehr zu lernen. Später hat sie uns mit diesem typischen Paola-Schmunzeln erklärt, dass es ihre Aufgabe ist, die Herzen der Freiwilligen zu öffnen - und der erste Schritt ist es, dass sie uns die Sprache beibringt. Mich beeindruckt Paola sehr, weil sie so etwas Echtes, Wahrhaftiges an sich hat. Ich kann dieses eine Mal nicht vergessen, als Paola im Garten gesungen hat. Sie hat ihre Hände zum Himmel erhoben und aus dem Tiefsten ihrer Seele die Worte „Dumnezeu“, „Dumnezeu“ („Gott“, „Gott“) gerufen und all ihren Schmerz herausgesungen. Das war ein Moment zwischen ihr und Gott´, und sie hat Ihn völlig in ihrer Verletzlichkeit, mit all ihrem Fragen und so wie sie ist, angerufen. Ich kann euch sagen, sie war wirklich wunderschön in diesem Moment.


Ich weiß nicht viel über Paolas Situation, nur dass viel gelitten hat und es immer noch tut. Sie leidet unter Depressionen und ist geistig stark eingeschränkt - ich denke das ist auch der Grund, warum ihre beiden Söhne adoptiert wurden. Ihren jüngeren Sohn darf sie nicht mehr besuchen, weil sie blöderweise ein Formular unterzeichnet hat, und jetzt lebt sie alleine in einem kleinen Apartment. Der Grund, warum sie fast zu jeder Tageszeit zu uns kommt, ist dass sie kein Zeitgefühl hat. Wenn sie aufwacht, dann ist es für sie Morgen.


Aber trotz all dem Leid, das ganz klar ein Teil ihrer Geschichte ist, ist der Raum jedes Mal von Lachen erfüllt, wenn Paola in unserer Küche ist. Ihre Freude ist ansteckend und es ist so schön, dass sie die einfachsten Dinge zum Lachen bringen können. Und es ist beeindruckend, wie aufmerksam sie ist. Sie hat sich unsere Namen unheimlich schnell gemerkt, bringt oft für jeden von uns Freiwilligen Armbänder vorbei und erinnert uns - schon jetzt - daran, dass sie mit jedem von uns ein Foto für ihr Album machen möchte, bevor wir gehen. Paola hat wirklich eine schöne Herzenshaltung: trotz ihrer schwierigen Situation und ihrem Schmerz hat sie es sich zu ihrer Hauptaufgabe gemacht, uns Freiwillige in dieses neue Zuhause zu lieben. Und sie hat wirklich eine Begabung darin.


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