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Antonius: Kindercamp in Uruguay

Antonius ist seit Oktober im Offenes-Herz Haus in Uruguay. Dieser Ausschnitt aus seinem Paten-Rundschreiben erzählt von einem Jungencamp.


Ich möchte Euch von unserem Camp mit den Kindern aus dem Viertel erzählen. Es ist Tradition, im Sommer mit ungefähr zehn Kindern, die wir durch die vielen Besuche, das sonntägliche Fußballspielen besonders gut kennengelernt haben, für einige Tage wegzufahren und mit ihnen einfach mehr Zeit zu verbringen. Dieses Jahr hatten wir zwei Camps, das erste mit den

Mädchen, das andere mit den Jungs (zwischen 10 und 13 Jahre), welches Wojtek und ich

leiteten. Dafür fuhren wir drei Tage an einen Badeort außerhalb von Montevideo ans Meer. Die Vorbereitung war wieder voller Geschenke und Wunder. Die Diözese stellte uns ein großes Haus am Strand einfach so zu Verfügung, ein Reiseunternehmen spendete uns Bus und Fahrer

für beide Camps. Freunde aus anderen Vierteln schenkten uns Lebensmittel und einige Frauen hier

buken Pizzen und Torten für das Camp. Wojtek und ich dachten uns vorher Spiele und Aktivitäten aus und tüftelten tagelang einen tollen Plan aus, was wir alles mit den Jungs machen würden. Jedoch kam alles ganz anders, manchmal schien es, ob nichts funktionieren würde. Die Jungs stellten uns ganz schön auf die Probe und probierten unsere Grenzen aus. Dass fast nichts nach unserem Plan funktionierte, war natürlich ernüchternd, aber im Nachhinein erkannte ich, dass das

nicht besonders schlimm war.




Was bringt das beste pädagogische Konzept, was für einen Wert hätte es, wenn die Jungs wohlerzogen unseren Ideen und unseren Vorstellungen eines perfekten Camps entsprochen hätten, aber wir sie nicht geliebt hätten? Vielleicht war es gut, dass Wojtek und ich keine pädagogischen Studien vorher abgeschlossen hatten und so unser Masterplan ein bisschen in die Hose ging. Mir half es anzufangen zu suchen, zu versuchen zu lieben und anzufangen in Jedem ein Wunder

Gottes zu entdecken. Tatsächlich gab es viele Momente, die mir Hoffnung gaben. Wie schön war es, ihnen bei der Jagd nach Flusskrebsen zuzusehen, wenn sie, sich selbst völlig vergessend, stundenlang jeden Stein umdrehten, um immer größere Krebse zu finden, mit dem immer größeren Risiko, von ihnen gekniffen zu werden.


Lustig war es auch, als sie sich eine Art Fechtkampfturnier mit Plastikbaseballschlägern ausdachten und sich alle nacheinander duellierten, während die anderen zusahen. Am schönsten war es jedoch zu sehen, wie sie beteten. Nachdem wir es erstmal geschafft hatten, alle in die kleine Hauskapelle zu bringen, sie ermahnt hatten ihre Mützen abzunehmen, kehrte manchmal eine gebannte Stille ein, als wir den Rosenkranz beteten. Wie kann es sein, dass diese Jungs, halb auf der Straße aufgewachsen, einige vom Glauben nichts wissend, so beten können?


Nach der ersten halbdurchwachten Nacht musste ich morgens früh aufstehen, um in der Nähe einen Wald ausfindig zu machen, um dort ein Spiel vorzubereiten. Eigentlich schon am Ende meiner Kräfte machte ich mich dann auf den Weg, nur noch mit einem Stoßgebet auf den Lippen, dass Gott etwas aus diesem Tag mache. Als wir dann am frühen Mittag in den Wald gingen, war es herrlich zu sehen, wie die Jungs im Wald Fallen bauten, sich die Gesichter in Kriegsfarben anmalten, Strategien ausdachten, um die gegnerische Fahne zu klauen und wie die Indianer durch

den Wald pirschten. Lange danach erzählten sie noch begeistert davon. Francisco, ein

junger Erwachsener aus dem Viertel, der sehr gut mit uns befreundet ist, fuhr mit ins Camp,

um uns zu helfen. Jede Woche kommt er zu uns ins Punto und hilft mit den Kindern Fußball zu spielen. Seine Gegenwart im Camp war ein großes Geschenk. Er hatte weniger den Plan im Kopf, als ständig bei den Jungs zu sein, mit ihnen zu spielen, einfach wie Einer von ihnen zu sein. Ich denke, dass diese Art bei ihnen zu sein, ihnen ein Freund zu sein, die schönste Katechese ist.

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