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Ania in Argentinien

Aktualisiert: Sept 3

Ania ist Ende Februar in Argentinien angekommen. In diesem Briefausschnitt erzählt sie von ihrer ersten Zeit und den besonderen Erlebnissen der Quarantäne.



Drei Wochen nach meiner Ankunft hat die argentinische Regierung wegen der Pandemie eine strenge Quarantäne eingeführt. Wir dürfen nur zum Einkaufen rausgehen. Das Leben ist zum Stillstand gekommen... Wir dürfen weder jemanden besuchen noch Besuch empfangen, es ist verboten, sich zu treffen und sich zu begrüßen (hier küssen sich alle bei Begrüßung und Abschied auf die Wange). Wir dürfen weder mit Kindern spielen noch sie umarmen. Ich fing an, den lieben Gott nach dem Sinn meiner Mission hier zu fragen – hat er mich hierhergeschickt, um „zu Hause zu sitzen” und nichts Sinnvolles machen zu können? Ich habe keine Möglichkeit, all unsere Freunde kennenzulernen, ich darf nicht mit Kindern spielen...


Wir versuchen, das Beste aus der ganzen Situation zu machen – jeden Nachmittag rufen wir unsere argentinischen Freunde an. Wir beten, nehmen an den Videokonferenzen teil, die für uns Pfarrer Eduardo vorbereitet und haben auch Zeit für diverse Aktivitäten, bei denen wir unsere Fähigkeiten zum Einsatz bringen können wie z. B.: Gymnastik, Theater, Englischunterricht oder Tanzen. Jeden zweiten Tag kann man zusammen mit uns den Rosenkranz über Facebook beten. Wir bemühen uns, all denen nah zu bleiben, die der liebe Gott uns anvertraut hat.


Obwohl ich unsere hiesigen Freunde kaum kenne, denn entweder bin ich ihnen noch nie oder nur ein einziges Mal begegnet, fühle ich mich ihnen bereits jetzt verbunden. Das erfüllt mich mit Freude. Möglicherweise liegt es daran, dass wir für sie beten und dass meine Gemeinschaft sie kennt, liebt und unterstützt.



Jeder dieser Menschen hat seine eigene Geschichte, sein Kreuz. Das Schöne daran ist, dass wir an ihrem Leben teilhaben dürfen. Mich hat es sehr berührt, dass die Menschen hier offen, herzlich, direkt und lebensfroh sind. Manchmal bringen sie uns etwas spontan vorbei, ohne etwas dafür zu erwarten. Ich wollte beispielsweise für Ostern ein typisch polnisches Ostergebäck backen, aber ich konnte nirgendwo die nötigen Zutaten kaufen. Am Gründonnerstag klopfte Claudia, die Nachbarin von gegenüber, an unsere Tür und brachte uns einen Zitronenkuchen. Einfach so :). Ganz viele kleine Gesten der Liebe, auf den ersten Blick nichts Besonderes und doch so wichtig! Eben diese kleinen Gesten sagen: „Du bist wichtig, du wirst geliebt und gebraucht, es ist gut, dass du da bist!”


Zum Schluss möchte ich euch von einem persönlichen Erlebnis erzählen, das mich sehr berührt hat. Es war Sonntag, der 26. April, genau zwei Monate nach meiner Ankunft in Villa Jardín. Am späten Abend kam an unser Fenster unser Nachbar, der elfjährige Matías, mit dem ich ein paarmal Ball gespielt habe. Er hat mir ein Bild geschenkt, auf dem er einen weiß-roten Ball mit der Aufschrift „Polonia Anita” (viele nennen mich hier so, ein Kosename von Anna :)), gemalt hatte. Er ließ mich die Augen schließen und reichte mir eine kleine wunderschöne Figur der Mutter Gottes mit dem Jesuskind. Ich weiß nicht, woher er sie hatte. Das hat mich zutiefst berührt! Es fühlte sich für mich so an, als ob Gott selbst mir ein Geschenk zu meinem zweimonatigen Aufenthalt in Argentinien gemacht hätte. Als ob Er mir sagen wollte, es sei gut, dass ich hier bin, ich sei sicher in Marias Umarmungen und dass ich wie Maria sein soll, die den Menschen Jesus, das Leben und die Hoffnung schenkt!

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